Risiken der maschinellen Übersetzung im Überblick

27.01.2022

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dies gilt auch für maschinelle Übersetzung.

Maschinelle Übersetzung (MÜ) stellt einen grossartigen technologischen Fortschritt dar, der das Übersetzen sowohl für Übersetzer* als auch für Berufsfremde erleichtern kann. Wenn es jedoch um Genauigkeit und Datenschutz geht, bringt die maschinelle Übersetzung so einige Risiken mit sich.

*Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Beitrag auf das geschlechtergerechte Formulieren verzichtet, es sind jedoch alle Geschlechter angesprochen.

 

Als eine Form der künstlichen Intelligenz haben Systeme zur neuronalen maschinellen Übersetzung (NMÜ) wie Deep Learning (bekannt als DeepL) die Welt des Übersetzens revolutioniert. In Sekundenschnelle können diese Systeme eine Übersetzung erzeugen, die einer Humanübersetzung nahekommt – und das mit nur mit wenigen Fehlern. Nach der Bearbeitung dieser Fehler, dem sogenannten Post-Editing, ist die Übersetzung einwandfrei. Es handelt sich um einen schnellen und effizienten Übersetzungsprozess.

Auch gängige Online-Anwendungen nutzen die NMÜ-Methoden und stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung. So wird Google Translate beispielsweise tagtäglich von Millionen Nutzern eingesetzt. Doch trotz alldem weist die Technologie noch einige Tücken auf.

Welche Probleme treten bei MÜ am häufigsten auf?

Zunächst einmal enthalten die Übersetzungen, die mit diesen Tools bearbeitet wurden, oft Fehler. Kleinere grammatikalische Fehler mögen auf den ersten Blick zwar keine grosse Sache sein, können aber den Lesefluss eines Textes deutlich erschweren. Im beruflichen Umfeld, vor allem in Fachkreisen, sind solche Fehler unprofessionell und hinterlassen insgesamt keinen guten Eindruck. Zudem sind MÜ-Systeme nicht in der Lage, Inhalte, die sich nicht wortwörtlich übersetzen lassen und im übertragenen Sinne zu verstehen sind (wie z. B. Humor, Sarkasmus, Metaphern, Redewendungen, Sprichwörter), richtig zu übersetzen. Solche Fehlübersetzungen können schnell zu Missverständnissen führen. Auch lange und komplexe Sätze mit unüblichen Satzstrukturen können zu Fehlern in der Übersetzung führen. Die Übersetzung muss deshalb stets auf Fehler überprüft werden.

Eine erste Lösung könnte die Anstellung eines ausgebildeten Post-Editors sein, der speziell darauf geschult ist, auch kleinste Fehler zu identifizieren und zu korrigieren. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Übersetzungen durch ein Computerauswertungssystem (Computer Evaluation System) laufen zu lassen, das sie genau sortieren kann. Selbst mit dieser zugänglichen Methode kann es aber sein, dass nicht alle Fehler vom System gefunden werden.

Welche Textsorten eignen sich nicht für die Bearbeitung mittels MÜ?

Präzision und Genauigkeit sind zwei Schlüsselfaktoren, anhand derer die Qualität einer Übersetzung – unabhängig von der eingesetzten Technologie – beurteilt werden kann. Deshalb sollte immer berücksichtigt werden, um welche Textsorte es sich handelt, bevor eine Übersetzung mit Hilfe von MÜ durchgeführt wird, weil sich eben manche Texte für den Einsatz dieser Technologie besser eignen als andere.

Insbesondere die Übersetzung kreativer Inhalte kann mit MÜ schwierig sein. Literatur und Poesie sind klare Inhaltsbeispiele dieser Art, weil sie aus Kreativität und Stil entstehen. MÜ-Systeme können solche Aspekte nicht korrekt erfassen und eine dem Ausgangstext in Sinn und Stil entsprechende Übersetzung nicht anfertigen. Die Übersetzung mag dann zwar grammatikalisch korrekt sein, spiegelt aber die Stilelemente und die Tonalität des Originaltextes nicht wider. Dasselbe gilt für Marketingtexte: Sie stellen für MÜ ebenso eine grosse Herausforderung dar. MÜ kann die darin enthaltenen Botschaften nicht so gut übermitteln, wie es Humanübersetzer könnten und deren fachliche Kompetenz bei solchen Texten also nach wie vor benötigt wird. Derzeit erfüllt MÜ die Erwartungen hinsichtlich der Qualität einer Übersetzung nämlich noch nicht vollumfänglich.

Für die zuvor genannten Textsorten sind kompetente Humanübersetzer also die beste Wahl.

Wird der Datenschutz bei MÜ garantiert?

Ein grosses Problem bei frei zugänglichen Online-MÜ-Werkzeugen ist, dass der Datenschutz nicht garantiert werden kann. Sensible Daten und als hoch riskant eingestufte Inhalte (wie z. B. persönliche Daten) sollten grundsätzlich nicht mit solchen Tools bearbeitet werden. Die Eingabe dieser Daten in die MÜ-Tools bedeutet, dass diese Inhalte nicht länger geschützt bleiben und von Dritten eingesehen werden könnten. Es besteht das Risiko einer Verletzung der Vertraulichkeit der Daten, die nicht nur den Benutzer betrifft, sondern auch sämtliche Textinhalte oder Personen, die darin genannt werden.

Des Weiteren können online zugängliche MÜ-Systeme die übersetzten Inhalte als ihre eigenen ausgeben, was die Bearbeitung sehr unsicher macht – es sei denn, dass die Bearbeitung sich auf nur ein paar Sätze oder Wörter ohne vertrauliche Informationen beschränkt. Texte wie offizielle Verträge oder Kundeninformationen sollten also grundsätzlich nicht mit einem solchen frei zugänglichen Tool übersetzt werden. Es ist wichtig, bei der Arbeit an Übersetzungen oder generell bei jeder Aufgabe, die eine Übersetzung erfordert, auf die Sicherheit der eigenen Daten sowie der Daten anderer Personen zu achten und die jeweils geltenden Datenschutzbestimmungen einzuhalten.

Wie kann man die Lücken der MÜ im Übersetzungsprozess schliessen?

Wenn die maschinellen Übersetzungen noch nicht dem gewünschten Resultat entsprechen, ist Post-Editing eine gute Option, um Fehler zu korrigieren. Die Einführung von MÜ-Systemen stellt eine grosse Investition dar. Deshalb muss zuerst detailliert evaluiert werden, ob sich die zu übersetzenden Texte überhaupt für MÜ eignen. Ein grosser Anteil an wiederkehrenden Inhalten und ein gewisser Umfang – d. h. ein grosses Volumen, das innerhalb knapper Fristen bearbeitet werden muss – werden dabei vorausgesetzt. Darüber hinaus muss es sich um einfache technische Texte handeln, da (wie schon erwähnt) sich kreative Texte für MÜ nicht eignen.

Eine weitere Strategie, die neue Technologie zum Vorteil zu nutzen, besteht in der Nutzung von Translation Memories (Übersetzungsdatenbanken) in Kombination mit MÜ und Humanübersetzung. Eine solche Hybrid-Lösung kann helfen, den Einstieg in die maschinelle Übersetzung zu erleichtern, während sie dem Übersetzer immer noch die Möglichkeit gibt, den Überblick über den Prozess zu behalten.

In der Regel werden kleinere Sätze oder ein paar Wörter ohne sensiblen Inhalt von einem online verfügbaren MÜ-Tool korrekt übersetzt und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Für umfangreichere Texte zu spezifischen Themen, die vertrauliche Informationen beinhalten, ist die Benutzung eines professionellen (offline) Tools besser geeignet. Kombiniert mit Post-Editing, führt so ein Prozess zu einer äusserst präzisen Übersetzung. Kurz gesagt: Bei der Benutzung von neuronal maschineller Übersetzung (NMÜ) muss man sich der potenziellen Risken und der für diese Technologie geeigneten Textsorten bewusst sein.

 

Quellen:

Weitere Informationen über unsere Dienstleistungen im Bereich Post-Editing von maschinellen Übersetzungen finden Sie auf unserer Website.